Der Plan B ist der stillste der sechs Wege. Man zieht nicht um, man bucht nichts, man ändert nichts. Man sorgt nur dafür, dass die Möglichkeit besteht.

Das klingt nach wenig und ist erstaunlich wirksam. Wer weiß, dass er könnte, denkt anders über die nächsten Jahre nach. Nicht enger, sondern weiter.

Warum Leute das machen

Die Gründe sind so verschieden wie die Leute. Manche wollen eine Reserve für den Fall, dass sich etwas ändert. Manche sind noch nicht so weit, wissen aber, dass sie in fünf Jahren so weit sein könnten. Manche haben einen Partner, der noch überzeugt werden will, und wollen bis dahin nichts verlieren.

Und einige machen es aus einem Grund, den sie erst später aussprechen: Es beruhigt. Man muss nicht auswandern. Es ändert trotzdem etwas, zu wissen, dass man es könnte.

Was dazugehört

Der Plan B besteht aus drei Teilen, und der erste ist der wichtigste.

Der erste Teil ist die Klarheit darüber, welcher Weg überhaupt der eigene wäre. Ein Plan B, der aus dem Satz besteht „dann gehen wir eben in die Karibik“, ist kein Plan. Wer weiß, dass es das Wintermodell wäre, mit einer Mietwohnung im Norden der Insel, in der Nähe von Leuten, die man schon kennt, hat etwas in der Hand.

Der zweite Teil sind die Unterlagen. Urkunden, Nachweise, Beglaubigungen, Übersetzungen. Vieles davon lässt sich in Ruhe von Deutschland aus besorgen, und in Ruhe geht es deutlich angenehmer als unter Zeitdruck.

Der dritte Teil ist der Kontakt vor Ort. Eine Adresse, jemand, der antwortet, wenn man schreibt. Das kann eine Vermieterin sein, ein Bekannter, ein Ansprechpartner. Ohne diesen Teil bleibt der Plan Papier.

Einmal im Jahr nachsehen

Ein Ordner, der zehn Jahre unangetastet im Schrank steht, ist kein Plan B mehr, sondern ein Andenken. Unterlagen haben Gültigkeitsfristen, Regeln ändern sich, Adressen auch. Ein Nachmittag im Jahr reicht völlig, um alles einmal durchzusehen.

Praktisch bewährt hat sich ein fester Termin, den man ohnehin hat. Wer die Steuererklärung macht, kann danach zehn Minuten in den Ordner schauen. Wer das ein paarmal gemacht hat, weiß auch immer, wo er steht.

Der Nebeneffekt

Wer einen Plan B vorbereitet, beschäftigt sich zwangsläufig mit der Sache. Man liest, man fragt, man rechnet. Und dabei passiert bei vielen etwas, das sie so nicht erwartet hatten: Aus der Rückversicherung wird eine Neugier, und aus der Neugier ein Probelauf.

Das ist kein Zufall. Der Plan B nimmt der Sache das Bedrohliche. Wer sich einmal ohne Druck angesehen hat, wie so ein Umzug aussehen würde, findet ihn meistens kleiner, als er von außen wirkte.

Was er kostet

Wenig Geld und ein paar Nachmittage. Beglaubigungen und Übersetzungen kosten etwas, aber es ist überschaubar, und man bezahlt es einmal statt zweimal, wenn man es gleich richtig macht.

Der eigentliche Aufwand liegt vorne, also zu einem Zeitpunkt, an dem man den Nutzen noch nicht sieht. Das ist der Grund, warum viele es aufschieben. Es ist auch der Grund, warum die, die es hinter sich haben, so entspannt darüber reden.

Wo man anfängt

Am besten mit der Frage, welcher der sechs Wege überhaupt in Betracht kommt. Alles Weitere ergibt sich daraus, und vieles wird dadurch überflüssig.

Welche Unterlagen für welchen Aufenthaltsweg gebraucht werden, wie lange sie gültig sind und in welcher Reihenfolge man sie besorgt, steht auf unserer Seite zum Rentnervisum. Dort ist auch beschrieben, was sich sinnvoll von Deutschland aus erledigen lässt und was vor Ort passieren muss.

Karl hatte seinen Ordner zwei Jahre im Schrank, bevor er ihn gebraucht hat. Er sagt, die zwei Jahre waren angenehmer als die zwei davor.