Der Teilumzug sieht dem Wintermodell auf den ersten Blick ähnlich und ist doch etwas anderes. Beim Wintermodell folgt man dem Kalender. Beim Teilumzug folgt man dem Leben.

Man hat zwei Orte, an denen die eigenen Sachen stehen, an denen man einen Schlüssel besitzt und an denen jemand fragt, wie lange man diesmal bleibt. Wann man wo ist, entscheidet die Familie, die Arbeit, das Wetter oder die Lust, nicht das Datum.

Der Unterschied ist der Schrank

Man erkennt den Teilumzug daran, dass an beiden Orten Kleidung hängt. Der Winterurlauber packt seinen Koffer, der Teilumzügler hat zwei Bäder mit zwei Zahnbürsten, zwei Kaffeemaschinen und an beiden Orten ein Buch, das halb gelesen auf dem Nachttisch liegt.

Das klingt nach einer Kleinigkeit und verändert das Ankommen vollständig. Wer nichts auspacken muss, ist nach zwanzig Minuten zu Hause. Genau das ist der Punkt, an dem der zweite Ort aufhört, ein Ziel zu sein.

Für wen das gut passt

Für Menschen mit Bindungen an beiden Enden. Kinder oder Enkel in Deutschland, ein Freundeskreis, der gewachsen ist, vielleicht noch eine Aufgabe, die man nicht abgeben will. Und gleichzeitig ein Ort in der Karibik, der nicht mehr als Reiseziel funktioniert, weil man dort inzwischen Leute kennt, die einen erwarten.

Es passt auch für Paare, die unterschiedlich weit sind. Wenn einer gern ganz bleiben würde und der andere lieber in der Nähe der Familie, ist der Teilumzug oft die Lösung, mit der beide gut leben, statt eines Kompromisses, mit dem keiner glücklich wird.

Wie man das aufbaut

Fast niemand fängt damit an. Der Teilumzug entsteht meistens aus einem Probelauf oder aus zwei, drei Wintern. Irgendwann wird die Mietwohnung zur Dauermiete, weil das billiger ist als jedes Jahr neu zu suchen. Dann bleiben die ersten Sachen dort. Dann kommt der Ventilator, den man sich nicht mehr jedes Jahr borgen will.

Wer es planvoll angeht, sucht sich eine kleinere Wohnung als beim Urlaub. Nicht die mit dem großen Blick, sondern die, deren Nebenkosten auch dann erträglich sind, wenn man drei Monate nicht da ist. Eine Anlage mit Verwaltung hat den Vorteil, dass in der Abwesenheit jemand nach dem Rechten sieht.

Das ist auch der ehrlichste Punkt: zwei Wohnungen laufen zwölf Monate im Jahr, egal wo man gerade ist. Wer diesen Weg geht, rechnet das einmal in Ruhe durch, bevor er sich verliebt.

Freunde auf beiden Seiten

Das ist der Teil, den kaum jemand vorher auf dem Zettel hat und den fast alle hinterher als den besten beschreiben. Wer regelmäßig an zwei Orten lebt, hat zwei Freundeskreise, und die wissen voneinander. Man kommt in Deutschland an und wird gefragt, wie es drüben war. Man kommt in der Karibik an und wird gefragt, wie es zu Hause war.

Nach ein paar Jahren wird die Frage schwieriger, weil beide Orte zu Hause sind. Die meisten empfinden das als Gewinn und nicht als Zerrissenheit. Es hilft, wenn man sich angewöhnt, Besuche einzuplanen, statt sie zu erhoffen: einmal im Jahr kommt jemand von hier nach dort, und die Insel bekommt Gäste, die vorher nur Fotos gesehen haben.

Was zu klären ist

Bei diesem Weg wird die Frage nach dem Aufenthaltsstatus konkreter als beim Wintermodell, weil man länger und regelmäßiger vor Ort ist. Auch die Krankenversicherung will einmal ordentlich angesehen werden, ebenso die Frage, wo der steuerliche Wohnsitz liegt.

Das sind keine Hürden, sondern Punkte auf einer Liste, und sie lassen sich vorab klären. Wie das im Einzelnen aussieht, steht auf unserer Seite zum Rentnervisum.

Wann er der richtige Weg ist

Der Teilumzug lohnt sich für Leute, die schon wissen, dass sie den Ort mögen, und die ihn trotzdem nicht gegen das Bisherige eintauschen wollen. Er ist der aufwendigste der sechs Wege und der einzige, bei dem man nichts hergeben muss.

Karl hat den Teilumzug zwei Jahre gemacht. Er sagt, das Schönste daran sei gewesen, dass es an beiden Orten jemanden gab, der sich gefreut hat.